Richtig rasieren: Rasurbrand, Juckreiz & Rasierpickel vermeiden

„Pseudofolliculitis barbae“, so nennen Fachleute den „Rasurbrand“. Dieser Begriff umfasst alle Rötungen, Hautirritationen, Pickel und Entzündungen, die nach dem Rasieren auftreten können. Betroffen sind Frauen und Männer gleichermaßen: Egal ob im Gesicht, an den Beinen, im Achsel- oder Intimbereich. Wie es erst gar nicht so weit kommt, was man gegen die unangenehmen Hautirritationen tun kann und welche alternativen Möglichkeiten der Haarentfernung sich – übers Rasieren hinaus – noch bieten, verrät die erfahrene Kosmetikerin Jasmin Varga aus Linz im Gespräch mit der Gut für dich-Redaktion.

Gut für dich: Warum treten die Irritationen meist nach der Rasur auf?
Jasmin Varga:
Um dies zu verstehen, empfiehlt sich ein näherer Blick auf den eigentlichen Vorgang. Dabei hebt ein Rasierer in aller Regel das zu kürzende Haar an, durchtrennt es möglichst nah an der Hautwurzel und lässt es wieder in die Ursprungsposition zurückgleiten. Ein Prozess, der – aufgrund der Einwirkung der Rasierklinge – oft zu kleinen oberflächlichen Verletzungen der Haut führt und Bakterien die Chance gibt, in die Haut einzudringen. Ändert der in der Haut verbliebene Haaransatz nun seine Wuchsrichtung, wird von neu gebildeter Haut am „herauswachsen“ gehindert oder erfährt zu viel Reibung von außen, so führt dies zu unschönen Rötungen, Entzündungen und eingewachsenen Haaren.

Gut für dich: Was sollte man bei wiederkehrenden, rasurbedingten Hautproblemen machen?
Jasmin Varga: Die eigene Körperpflege und die angewandte Routine der Haarentfernung sollten analysiert und gegebenenfalls überdacht werden. Denn oft liegen den Rötungen und Hautreizungen vermeidbare Fehler zugrunde: So wurde etwa der falsche Rasierer für die jeweilige Körperregion gewählt, stumpfe Klingen verwendet, die falsche Rasurtechnik angewandt – also entgegen der Wuchsrichtung der Haare rasiert, gänzlich auf Pflegeprodukte verzichtet oder diese schlichtweg falsch angewendet. Wer etwa häufig die Rasiertechnik bzw. die Rasierrichtung ändert, irritiert das Haar und dessen Wachstumsrichtung – was wiederum das Risiko eingewachsener Haare erhöht. Zwar kann Rasurbrand gleichermaßen bei der Trocken- und der Nassrasur entstehen, allerdings kann ein Wechsel dabei helfen, herauszufinden, bei welchem Rasiervorgang weniger Hautirritationen auftreten.

Gut für dich: Wie beginnt man die Rasur am besten bzw. welche vorbereitenden Maßnahmen gibt es?
Jasmin Varga: Um die Entstehung von Rasurbrand zu verhindern, sollte die Haut vor der Rasur von Keimen, Schmutz und Bakterien befreit werden. Die Verwendung einer antibakteriellen Waschlotion garantiert, dass die unliebsamen „Eindringlinge“ erst gar keine Chance haben. Wer zudem ein bis zwei Minuten ein feuchtes, warmes Tuch auflegt, entspannt die Haut zusätzlich, dabei öffnen sich die Poren und die Haare werden weich. Auch ein warmes Bad vor der Rasur hat diese Wirkung.

Auch auf Rasierschaum oder Rasiergel sollte man nie verzichten – schließlich enthalten viele Produkte bereits beruhigende und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe, die die Haut schon vor der Rasur pflegen. Was viele nicht wissen: Zwei bis drei Minuten gilt es den Schaum/das Gel auf der Haut wirken zu lassen, bevor man zum Rasierer greift.

Eine weitere Möglichkeit, um die Haut schon vorab auf die Rasur vorzubereiten, sind regelmäßige Peelings: Sie wirken unterstützend, entfernen abgestorbene Hautschüppchen, erleichtern dem nachwachsendem Haar den Weg an die Oberfläche und verhindern so den Juckreiz. Bei besonders empfindlicher Haut sollte man allerdings einen zeitlichen Abstand zwischen Peeling und Rasur einplanen, um die Haut nicht übermäßig zu beanspruchen.

Neben der Vorbereitung der Haut, sollte man sich auch dem „Rasier-Equipment“ widmen und alte, stumpfe Klingen durch neue, scharfe Schneidewerkzeuge ersetzen.

Gut für dich: Welche Rasiertechnik empfehlen Sie?
Jasmin Varga: Rasurbrand kann auch vorgebeugt werden, wenn die Klinge in Wuchsrichtung der Haare geführt wird. Wer gegen den Haarwuchs rasiert, reißt die Haare aus und schürt so unliebsame Pickelchen, Entzündungen und eingewachsene Haare. Generell gilt: Ohne Druck, dafür aber mit scharfer Klinge rasieren. Wer sich – aus Angst vor möglicherweise auftretenden Hautreizungen – nur selten an den Rasierer wagt, der tut leider genau das Falsche. Richtig wäre, regelmäßig zu rasieren, sodass sich die Haut an die Irritation gewöhnen kann und weniger massiv darauf reagiert.

Gut für dich: Wie behandelt man die Haut nach der Rasur?
Jasmin Varga: Kühlende und entspannende Pflegecremes mit viel Feuchtigkeit sind nach der Rasur genau das richtige für die Haut. Nach der Enthaarung gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Haut zu pflegen. Hautöle machen die Haut geschmeidig, weich und schützen vor dem Austrocknen, ebenso wie Aloe Vera und Jojoba-Wirkstoffe, die noch zusätzlich beruhigen. Doch auch Pflegecremes, welche speziell für rasierte Haut angeboten werden –z.B. als After Shave Balsam – sorgen dafür, dass erst gar keine unschönen und schmerzhaften Irritationen auftreten und die Haut zur Ruhe kommt.

Gut für dich: Was soll man tun, wenn entgegen der guten Vorbereitungen trotzdem ein Rasurbrand auftritt?
Jasmin Varga: Erste und wichtigste Regel: Rasieren verboten! Ist die Haut einmal gereizt, dann gönnt man ihr am besten eine Pause und Erholung. Um den Schmerz zu lindern und um die Poren zu schließen, sollte die Haut am besten mit Eiswürfeln oder kaltem Wasser gekühlt werden – quasi als Erste-Hilfe-Aktion. Danach gilt es, die Haut mit pflegendem Balsam zu beruhigen. Auch Hausmittel, wie etwa Honig oder Babypuder eignen sich hierfür. Die Wirkstoffe des Honigs wirken beruhigend und entzündungshemmend. Doch auch das im Babypuder enthaltene Zinkoxid ist bekannt für seinen antiseptischen Charakter, es lindert bestehende Entzündungen und verhindert neue Reizungen der betroffenen Hautstellen. Doch auch die in Kamille enthaltenen Wirkstoffe Bisabolol, Apigenin und Matricin vermeiden Pickel und Rötungen – da sie beruhigend auf die rasierte Haut einwirken. Einfach kalte Teebeutel auf die gereizte Haut legen und nach zirka fünf Minuten wieder entfernen. Eine risikofreie Behandlung, die ohne Probleme mehrmals wiederholt werden kann. Scheint der Rasurbrand, auch durch intensive Pflege nach drei Tagen nicht zu einer Besserung führen, so rate ich dazu medizinischen Rat einzuholen.

Alternativen zur Rasur
Obgleich eine Rasur viele Vorteile mit sich bringt, so gibt es – neben dem bereits erwähnten Rasurbrand – auch andere Nachteile: So wird das Haar etwa fester, „borstiger“ und wächst schneller nach. Der Haarwuchs wird also gefördert. Alternative Haarentferungsmethoden könnten die Lösung sein. Egal ob Sugaring, Epillieren, Waxing oder die Entfernung mittels Laserstrahlen – in den mehr als 3.000 Fachinstituten in Oberösterreich findet sich für jeden Hauttyp die individuell richtige Methode zur Haarentfernung.

Für alle weiteren Fragen oder eine individuelle Beratung zum Thema Haarentfernung stehen Ihnen die Expertinnen der oö. Fachinstitute jederzeit gerne zur Verfügung.

Sie haben noch Anregungen? Die Blogredaktion der Innung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure der WKOÖ freut sich über jede Rückmeldung unter: fkm@wkooe.at


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