So finden Sie das richtige Piercingstudio für sich

Glitzerte es noch vor Jahren aus dem Bauchnabel oder Nasenflügel, so finden sie sich die kleinen Schmuckstücke heute vermehrt an den Ohren wieder. Die Rede ist vom Piercing, oder wie Markus Kellner von Sigi‘s Tattoo Shop es nennt: „Einem kleinen chirurgischem Eingriff durch einen Nichtmediziner.“ Was einen guten Piercer und dessen Arbeit ausmacht und was man als Kunde beim Besuch im Piercing-Studio beachten sollte, das verrät der erfahrene Linzer, der seit 2002 gewerblich Piercings sticht, am Linzer WIFI Kurse abgehalten und in der Steiermark Prüfungen abgenommen hat im Interview.

Gut für dich: Wie erkenne ich als Laie ein seriöses Piercing-Studio? Woran kann ich mich orientieren?

Gerade beim Piercen ist es wichtig, sich jemanden zu suchen, dem man vertraut. Bei dem man weiß, dass die Person ein absoluter Experte mit langjähriger Erfahrung ist und in Sachen Hygienestandards keine Kompromisse eingeht. Schließlich legt man seinen Körper, und damit auch bis zu einem gewissen Grad die eigene Gesundheit, in die Hände einer anderen Person. Es gilt, den eigenen Hausverstand einzuschalten: Ein Kellerstudio, von dem noch nie jemand gehört hat wird wohl kaum die richtige Anlaufstelle für einen solchen Eingriff sein. Auf der Homepage der WKO Oberösterreich findet sich - unter dem Suchbergriff "Piercer" - eine Liste von geprüften Piercing-Studios in Oberösterreich. Das ausschlaggebende Wort hierbei ist geprüft: Von etlichen Piercing-Studios in Linz sind beispielsweise nur einige wenige auch entsprechend geprüft.

Gut für dich: Und wie erkenne ich nun, welches Studio entsprechend geprüft ist?

Mit den Qualitätssiegeln der Wirtschaftskammer Oberösterreich werden Fachinstitute seit 2005 auch entsprechend gekennzeichnet. Das garantiert beste Betreuung und Sicherheit für alle Kundinnen und Kunden. Die kreisrunde Plakette mit der Aufschrift „Qualität mit Auszeichnung“, „Fachinstitut“ sowie der Nennung des jeweiligen Bereichs gibt Aufschluss darüber, dass sich das Institut hohen Qualitätsstandards verpflichtet hat und diese kompromisslos einhält. Zu finden sind diese meist im Eingangsbereich von zertifizierten oö. Fachinstituten. Dort hängt übrigens oft auch ein Unbedenklichkeitsnachweis, welcher für Tätowierer, Piercer und Studios in denen Permanent Make-Up angeboten wird, gesetzlich vorgeschrieben ist.

Gut für dich: Es empfiehlt sich also gleich beim Betreten eines Studios, die Augen offen zu halten?

Absolut. Denn neben den Qualitätssiegeln, spielt auch der erste Gesamteindruck – den ich als Kunde oder Kundin in Bezug auf die Hygiene und Sauberkeit des Fachinstituts wahrnehme – eine wichtige Rolle. So erkenne ich ganz schnell an der verwendeten Wäsche (Handtücher etc.), aber auch an einem sauberen und ordentlichen Boden des Studios, wie es um die Qualität im Fachinstitut bestellt ist. Besonderes Augenmerk gilt den Arbeitsutensilien und der Hygiene, derer sich die Fachkräfte widmen. Beim Piercen sollte sich der Piercer in einem ersten Schritt die Hände waschen, dann Einweghandschuhe tragen und die Utensilien schließlich erst vor den Augen der Kundschaft aus der verschweißten Verpackung zu nehmen. An diesen geübten Handgriffen kann ich als Kunde gut einschätzen, welche Standards von den Betreibern des Instituts gesetzt werden.

Gut für dich: Ab wann darf man sich denn in Österreich denn überhaupt piercen lassen? Gibt es hier irgendwelche Einschränkungen, die mich daran hindern könnten mir ein Piercing stechen zu lassen?

All jene Dinge, die eventuell gegen ein Piercing sprechen könnten werden im Rahmen der Einverständniserklärung abgeklärt. Diese wird,  noch bevor der Behandlungsraum überhaupt betreten wird, durchgesprochen. Hier stellt sich zum einen die Frage nach dem Alter der Kundinnen bzw. der Kunden. In Österreich darf ab 14 Jahren – natürlich nur mit Einverständniserklärung der Eltern – gepierced werden. Mit der Volljährigkeit, also ab 18 Jahren, auch ohne die elterliche Erlaubnis. Doch auch Angaben zur Person sind essentiell. So müssen im Zuge dieses Dokuments auch Angaben darüber gemacht werden, ob etwaige Nichtverträglichkeiten oder Krankheiten bestehen. Äußerst wichtige Informationen, die der Piercer kennen muss. Auch die Sterilgutnummer der verwendeten Materialien wird zur Sicherheit der Kundin/ des Kunden angegeben.

Gut für dich: Warum sind diese Informationen so wichtig? Warum muss ich so sensible Dinge, wie etwa Vorerkrankungen, mit meinem Piercer besprechen?

Schließlich könnten Schmerzreize – wie sie auch beim Piercen auftreten – bei Epilepsiepatienten einen Krampfanfall auslösen, es könnte die Wundheilung von Diabetikern beeinträchtigt sein oder eine Bluterkrankheit (Hämophilie) bestehen. Umso wichtiger ist es daher, dass diese Angaben vom Kunden wahrheitsgemäß getätigt werden und die Kunden wissen, worauf sie sich einlassen. Erst wenn sie alle Informationen erhalten haben, über den Ablauf aufgeklärt und alle offenen Fragen beantwortet wurden, hat ein Kunde/ eine Kundin die Chance, die für ihn/ sie richtige Entscheidung zu treffen.

Gut für dich: Das setzt erstklassige Beratung und Aufklärung voraus. Was kann ich diesbezüglich von meinem Piercer erwarten?

Auch wenn im Studio gerade viel los und der Tag stressig ist: Ein guter Piercer nimmt sich Zeit für seine Kundschaft. Er oder sie muss – zumindest meiner Meinung nach – offene Fragen ehrlich und kompetent beantworten. Kunden und Kundinnen sollen bloß keine falsche Scheu an den Tag legen. Es handelt sich hier schließlich um einen Eingriff an ihrem Körper – ihnen steht also das Recht zu, genau nachzufragen. Sie müssen über die Vor- und Nachteile der Behandlung sowie mögliche Risiken aufgeklärt werden. Erfahren, mit welcher Abheilzeit zu rechnen ist und was sie nach der Behandlung tun können um eine erfolgreiche Wundheilung zu begünstigen. Wird der genaue Vorgang des Piercens erklärt, so nimmt dies – meiner Erfahrung nach – nicht nur die Angst sondern trägt auch dazu bei dass sich der Kunde/ die Kundin gut aufgehoben fühlt. Ich persönlich kommentiere meine Arbeitsschritte immer gerne, weise auf die Indikatorenstreifen der Verpackung, die die Sterilität garantieren, hin, erkläre warum Schmuckstücke aus Titan zu bevorzugen sind und gebe "Pflegehinweise" für Zuhause. 

 

Für alle weiteren Fragen oder eine individuelle Beratung stehen Ihnen die Expertinnen und Experten der oö. Fachinstitute jederzeit gerne zur Verfügung.

Sie haben noch Anregungen? Die Blogredaktion der Innung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure der WKOÖ freut sich über jede Rückmeldung unter: fkm@ooe.at


© 2019 WKO Landesinnung
Damit Sie unsere Webseite optimal erleben können, verwendet diese Webseite Cookies. Durch klicken auf "OK" stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Verwendung von Cookies